Wettsteuer in der Schweiz: was der CHF-1-Million-Freibetrag in der Praxis bedeutet

Ein Freund rief mich vor einigen Jahren am Sonntagabend an. Er hatte eine Saisonsieger-Wette laufen lassen, die sich überraschend zu seinen Gunsten entwickelt hatte — Auszahlungspotenzial im fünfstelligen Bereich. Seine erste Frage war nicht „Wie cashe ich aus?“ sondern „Muss ich das versteuern?“ Eine intelligente Frage, und die Antwort hat ihn beruhigt: Bis zu einer Million Franken pro Gewinn ist in der Schweiz steuerfrei.
Das ist eine der grosszügigsten Steuerregelungen für Sportwetten weltweit. Wer sie kennt, kann seine Wettstrategie entsprechend ausrichten. Wer sie nicht kennt, lässt unter Umständen attraktive Märkte liegen — oder versteuert versehentlich Gewinne, die er nicht versteuern müsste.
Rechtliche Grundlage im BGS
Die Logik des Schweizer Gesetzgebers war direkt: Wir wollen, dass Bürger:innen ihre Sportwetten bei den konzessionierten Schweizer Anbietern platzieren — nicht bei nicht-lizenzierten ausländischen Plattformen. Wie schafft man diesen Anreiz? Eine Möglichkeit: Steuerfreiheit für legale Wettgewinne. Genau diesen Weg hat das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS), in Kraft seit 2019, gewählt.
Konkret regelt Artikel 24 BGS: Gewinne aus zugelassenen Schweizer Sportwetten sind bis zu einer Million Franken pro Gewinn steuerfrei. Darüber hinausgehende Beträge gelten als steuerbares Einkommen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung präzisiert diese Regelung in ihren Kreisschreiben.
„Pro Gewinn“ ist dabei der entscheidende Begriff. Es handelt sich nicht um eine jährliche Freigrenze, sondern um eine pro-Einzelwette-Begrenzung. Wer im Jahr zwei Wetten gewinnt — eine zu 600’000 Franken und eine zu 700’000 Franken — versteuert keine der beiden, denn beide bleiben unter der Million.
Die redaktionelle Position des Volkswirtschaft-Magazins, das vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO herausgegeben wird, fasst die Logik des Schweizer Modells zusammen: „Jährlich wird in der Schweiz mit legalen Sportwetten über eine Milliarde Franken umgesetzt. Die staatliche Regulierung des Markts soll Betrug verhindern sowie die Spielenden und die Integrität des Sports schützen.“ Der steuerfreie Freibetrag ist Teil dieses Anreizsystems — er soll Tipper in den legalen Markt führen.
Pro Gewinn statt pro Jahr: was die Einzelbetrachtung bedeutet
Die Einzelbetrachtung ist eine Eigenheit des Schweizer Modells, die international wenig Parallelen hat. In vielen anderen Ländern gibt es entweder eine Quellensteuer auf alle Wettgewinne oder eine jährliche Pauschalbesteuerung. Die Schweiz geht den ungewöhnlichen Weg, jede einzelne Wette separat zu betrachten.
Praktisch heisst das: Wer mit einer einzelnen Wette 1,1 Millionen Franken gewinnt, versteuert davon 100’000 Franken als Einkommen. Wer mit zehn Wetten je 100’000 Franken gewinnt — also auch insgesamt 1 Million —, versteuert nichts.
Diese Mechanik hat eine paradoxe Folge: Sie bestraft die Konzentration grosser Einzeltipps und belohnt die Streuung über mehrere Wetten. Wer auf Saisonsieger-Wetten mit hohen Quoten setzt und einen einzigen Treffer im siebenstelligen Bereich landet, kann steuerlich schlechter dastehen als ein Tipper mit zehn Treffern im sechsstelligen Bereich.
In der Praxis betrifft das eine extrem kleine Gruppe von Tippern. Die meisten Wettgewinne liegen unter 100’000 Franken pro Tipp. Aber für Saisonsieger-Wetten mit hohen Outright-Quoten oder für Multi-Wetten mit mehreren erfolgreichen Legs kann der Freibetrag aktivierungs-relevant werden.
Beispiel: Saisonsieger-Wette in der NRL
Schauen wir ein konkretes Szenario an. Sie tippen vor der NRL-Saison 2026 auf die Brisbane Broncos als Saisonsieger. Brisbane war 2025 NRL-Finalist und kam im Grand Final auf 4,55 Millionen Zuschauer. Rugby League sammelte 2025 in Australien und Neuseeland 224,2 Millionen kumulierte Zuschauer — die NRL ist also kein Nischen-Bewerb, sondern ein gut beobachtetes und entsprechend liquide quotiertes Wettsegment. Die Outright-Quote für Brisbane vor der Saison: 8,00.
Sie setzen 5’000 Franken. Brisbane gewinnt tatsächlich die Saison. Auszahlung: 40’000 Franken. Davon werden 5’000 Franken Einsatz zurückerstattet, der Nettogewinn beträgt 35’000 Franken. Diese 35’000 Franken sind steuerfrei — komfortabel unter der Million.
Zweites Szenario, ambitionierter. Sie tippen auf einen Aussenseiter, der die Saison überraschend gewinnt. Quote 50,00, Einsatz 1’000 Franken. Auszahlung: 50’000 Franken, Nettogewinn 49’000 Franken. Auch das steuerfrei.
Drittes Szenario, extrem. Sie tippen auf einen extremen Aussenseiter zu Quote 200,00 mit 10’000 Franken Einsatz. Bei einem Treffer: Auszahlung 2’000’000 Franken, Nettogewinn 1’990’000 Franken. Davon sind 1 Million steuerfrei. Die restlichen 990’000 Franken werden als steuerbares Einkommen behandelt — und je nach Wohnsitz-Kanton und Steuerprogression können davon 25 bis 40 Prozent als Steuern fällig werden.
Die Lektion: Bei Tipps, die nahe an oder über der Million-Schwelle liegen, lohnt sich Vorab-Strategie. Eine Aufteilung in mehrere kleinere Einsätze — falls technisch möglich — kann die Steuerlast erheblich reduzieren.
Wie Gewinne in der Steuererklärung anzugeben sind
Hier ein praktischer Aspekt, den viele übersehen: Auch steuerfreie Gewinne können in der Steuererklärung relevant werden — als Vermögenszuwachs.
Wenn Sie im Jahr 200’000 Franken aus Sportwetten gewinnen und das Geld auf Ihrem Konto liegt, müssen Sie diese 200’000 Franken zwar nicht als Einkommen versteuern, aber Ihr Vermögen ist um diesen Betrag gestiegen. Vermögenssteuern fallen je nach Kanton an. Wer in einem Hochsteuer-Kanton wohnt, kann selbst mit steuerfreien Wettgewinnen langfristig Vermögenssteuer-Effekte erleben.
Auch wichtig: Verluste aus Sportwetten sind nicht steuerlich abzugsfähig. Während gewonnene Wetten unter Umständen steuerfrei bleiben, können verlorene Einsätze nicht gegen andere Einkünfte verrechnet werden. Das ist asymmetrisch, aber juristisch klar.
Bei Gewinnen, die die Million-Schwelle übersteigen, sollte vor der Steuererklärung ein Treuhänder oder Steuerberater hinzugezogen werden. Die genaue Aufteilung steuerfrei/steuerpflichtig kann je nach Konstellation und kantonaler Praxis variieren. Bei sehr hohen Beträgen ist auch zu klären, in welchem Steuerjahr der Gewinn anzugeben ist — meist im Jahr der Auszahlung, aber Verzögerungen sind möglich.
Ein weiterer Punkt zur Dokumentation: Anbieter wie Sporttip stellen auf Anfrage Auszahlungsbestätigungen aus, die für die Steuererklärung relevant sein können. Wer grössere Beträge gewinnt, sollte diese Bestätigungen aufbewahren — am besten im selben Ordner wie Lohnausweise und Bankunterlagen. Eine saubere Papierspur ist im Falle einer Steuerrevision Gold wert.
Eine letzte Beobachtung zur internationalen Einordnung: Die Schweizer Million-Freigrenze ist im internationalen Vergleich grosszügig, aber nicht einzigartig. Einige EU-Länder behandeln Wettgewinne komplett steuerfrei, andere besteuern jeden Franken. Die Schweiz hat mit der Million-Schwelle einen pragmatischen Mittelweg gewählt — der die meisten Gelegenheits-Tipper und Hobby-Spieler vollständig entlastet und nur ausserordentliche Treffer in die Steuerpflicht zieht. Aus Sicht der Wett-Strategie ist das ein klarer Vorteil gegenüber Anbietern aus Hochsteuer-Jurisdiktionen.
Wer den vollständigen Kontext der Schweizer Sportwetten-Aufsicht verstehen will, findet bei den konzessionierten Schweizer Anbietern Sporttip und Jouez Sport die rechtliche Basis, die diesen Freibetrag überhaupt erst ermöglicht.
Was passiert bei einem Gewinn knapp über CHF 1 Million?
Der Teil bis zur Million bleibt steuerfrei. Nur der darüber liegende Anteil zählt als steuerbares Einkommen. Bei einem Gewinn von 1,1 Millionen sind 100’000 Franken steuerpflichtig — versteuert nach dem regulären Einkommens-Tarif des Wohnsitz-Kantons. Vermögenssteuer-Effekte können zusätzlich anfallen, weil das Gesamtvermögen um den Gewinn-Betrag steigt.
Wird ein ausländischer Gewinn anders behandelt?
Ja. Der Steuerfreibetrag gilt explizit für Gewinne aus zugelassenen Schweizer Sportwetten — also von Anbietern mit BGS-Konzession (Sporttip und Jouez Sport). Gewinne aus ausländischen, nicht-konzessionierten Anbietern werden steuerlich anders behandelt und sind im Regelfall vollständig als Einkommen anzugeben. Wer ausländische Plattformen nutzt, sollte vor dem ersten grossen Tipp einen Steuerberater konsultieren.
Erstellt von der Redaktion von „Rugby League Wetten Bonus Schweiz”.